Tätigkeitsbericht 2017

Auch im Jahr 2017 wurde die Jolly Beuth Stiftung „Hilfe für krebskranke Eltern und deren Kinder“ in diversen Medien (Print, Internet) präsentiert, um den Bekanntheitsgrad zu steigern. Damit verbunden war ein „Fundraising“, um satzungskonforme Projekte zu finanzieren und um das Stiftungskapital zu erhöhen.

 

Durchgeführte Projekte der Jolly Beuth Stiftung „Hilfe für krebskranke ‚Eltern und deren Kinder“ im Jahr 2017 waren:

 

„Therapeutisches Trommeln“ in der Klinik Ostseedeich im Rahmen des Projektes „Gemeinsam gesund werden“ der Rexrodt von Fircks Stiftung.

Diese deutschlandweit einzigartige Rehabilitationsmaßnahme wird in der Klinik Ostseedeich in Grömitz durchgeführt, in Kooperation mit der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Das ganzheitliche Behandlungskonzept ist für Mütter und Kinder hinsichtlich der körperlichen und psychosozialen Folgen der Brustkrebserkrankung maßgeschneidert. Ziel der Maßnahme ist es, die gesamte Familie nachhaltig zu stärken. Ausgewählte Vorträge von Experten zu unterschiedlichen Themen der Nachsorge sowie die intensive psychologische Stärkung der Mütter, Kinder und der Väter/Partner zeichnen die besonders hohe Qualität von „Gemeinsam gesund werden“ aus.

Durch „Therapeutisches Trommeln“ wird das präventive und therapeutische Spektrum der Rehabilitationsmaßnahme optimiert. Das innere Gleichgewicht der Teilnehmer/innen sollte durch gemeinsames trommeln, singen und tanzen stabilisiert werden. Optimistische Lebensperspektiven, die im Gefolge der Erkrankung und deren Therapie verloren gegangen sind, sollten reaktiviert werden. Die Erfahrung, durch einen „gemeinsamen Rhythmus“ einen stressfreien inneren Raum zu entdecken, sollte dazu beitragen, gesund zu bleiben.

Aufgrund der positiven Resonanz der Patientinnen und deren Angehörigen bezüglich der ersten Trommelevents in den Jahren 2014 bis 2016 wurden auch im Jahr 2017 insgesamt 6 Trommelevents (1. April, 13. Mai, 10. Juni, 30. September, 21. Oktober und 9. Dezember) durch die Jolly Beuth Stiftung „Hilfe für krebskranke Eltern und deren Kinder“ initiiert. Inzwischen ist das „Therapeutische Trommeln“ als psychoonkologische Maßnahme fest in das Reha-Programm integriert und wird regelmäßig von ca. 80 bis 120 Teilnehmern mit Begeisterung angenommen.

Seit 2014 werden die Trommelevents durchgeführt von „Argandona Trommelwelt“. Mario Argandona (Percussionist und Drummer, u. a. bei den Scorpions, Deep Purple und BAP) ist mit „Argandona Trommelwelt“ in ganz Deutschland unterwegs und trommelt, singt und tanzt mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Kindergärten, Schulen, auf Festivals, in Firmen und an vielen anderen Orten und Veranstaltungen, so auch in Grömitz im Rahmen des Projektes „Gemeinsam gesund werden“.

 

Familiensprechstunde der Krebsgesellschaft NRW

Die Diagnose „Krebs“ ändert schlagartig das Gefüge von Familien. Kinder und Jugendliche reagieren besonders empfindlich auf solche, für sie existenziellen Veränderungen. Eltern andererseits sind unsicher, wie sie mit ihren Kindern angemessen umgehen können, zumal der erkrankte Elternteil durch Diagnose und Therapie stark in Anspruch genommen und belastet ist. Die Gefahr, dass in dieser Situation die Kinder mit ihren Sorgen allein bleiben, ist groß.

Das Angebot der Familiensprechstunde richtet sich daher ausdrücklich an Familien mit minderjährigen Kindern, in denen Eltern oder andere Bezugspersonen an Krebs erkrankt sind. Ziel ist es, die Kinder in dieser belastenden Situation zu stärken und verunsicherte Eltern zu unterstützen. Den Grundsätzen „Systemischer Familientherapie“ entsprechend ist die Familiensprechstunde geprägt von der Wertschätzung der individuellen Möglichkeiten und Kraftquellen. Die Familien selber gelten als Experten ihrer Situation. In der Beratung richtet sich der Blick auf mögliche zukünftige Lösungen, die durch unterschiedliche „Systemische Interventionen“ sichtbar werden. In kleinen Schritten können die Familien ihre Perspektive erweitern und individuell hilfreiche Strategien entwickeln. Ziel der Familienberatung ist das Zurückgewinnen der familiären Selbstwirksamkeit trotz Krebserkrankung. Im Sinne der Kinder bedeutet dies, dass die schwankende Familienstruktur in einer neuen Ordnung zur Ruhe kommen kann.

Laut Jahresbericht haben Im Jahr 2016 ca. 440 Personen (in ca. 800 Beratungsgesprächen) Rat in der Familiensprechstunde der Krebsgesellschaft NRW eingeholt. Zusätzlich wurden 140 Kontakte mit Dritten dokumentiert (Koordinationsleistungen). Diesbezüglich ist allerdings aufgrund technisch bedingter Unterdokumentation (die inzwischen behoben wurde) von einer höheren Gesamtzahl auszugehen.

Etwa die Hälfte (47%) aller Ratsuchenden kamen aus Eigeninitiative in die Beratungsstelle. Dabei sind Internet sowie die Empfehlung durch Verwandte und Bekannte als Hauptinformationsquellen zu sehen. Die andere Hälfte der Ratsuchenden wurde von Multiplikatoren wie Kliniksozialdiensten, Ärzten, kommunalen Einrichtungen und anderen Institutionen auf die Beratungsstelle hingewiesen. Dies ist ein Beleg für die gute Vernetzung der Krebsberatung Düsseldorf mit den lokalen Behandlern.

Den an Krebs erkrankten Eltern und ihren Kindern wird in der Familiensprechstunde professionelle psychoonkologische Beratung und Begleitung angeboten. Ziel ist es, die Familien in dieser belastenden Situation zu stützen, die Kommunikation zu fördern und insbesondere den Kindern einen altersgerechten Umgang mit der Erkrankung zu ermöglichen. Die Beratungen haben insbesondere den zugehörigen Kindern neuen Rückhalt gegeben.

Im Jahr 2018 wird ein weiterer Zulauf in die Familiensprechstunde erwartet.

 

„Zeit der Maulbeeren“, Raum zum Ausruhen

„Zeit der Maulbeeren“ ist ein Projekt, das auf Initiative der Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan und dem Wissenschaftler und Arzt Josef Beuth initiiert wurde und das von der Jolly Beuth Stiftung „Hilfe für krebskranke Eltern und deren Kinder“ unterstützt wird.

Die Grimme Preisträgerin Renan Demirkan stellt ihr Haus im Windecker Ländchen kostenlos für bedürftige krebskranke Frauen und deren Kinder zur Verfügung, die sich dort jeweils drei Wochen lang eine Auszeit nehmen können. Losgelöst vom Alltag können sie sich dann mit ihrer Krankheit auseinandersetzen.

Das Projekt „Zeit der Maulbeeren“ möchte betroffenen Frauen Raum und Ambiente bieten, „zu sich zu kommen“, Sinne, Gefühle und Kräfte zu aktivieren, um die Glücksmomente des Lebens wieder erkennen und ausleben zu können. Es bietet kostenlos Raum zum Ausruhen für finanziell bedürftige, an Krebs erkrankte Frauen und deren Kinder mit psychoonkologischer Betreuung bei Bedarf.

Die Diagnose „Krebs“ ist für die Mehrzahl der Betroffenen ein erschütterndes Trauma, das auch nach Beendigung von Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen meist nicht bewältigt ist.

Im Gefolge von (Krebs)Erkrankungen und deren Therapie kann es nämlich zu langfristigen Einschränkungen der Lebensqualität kommen. Das Spektrum der körperlichen und/oder seelischen Symptome kann von ertragbaren Befindlichkeitsstörungen bis hin zu therapiebedürftigen Erkrankungen reichen.

Während die Mehrzahl der körperlichen Symptome durch medizinische Maßnahmen angemessen therapierbar sind, können seelische, trauma- und stressbedingte Auswirkungen die Lebensqualität nachhaltig mindern. Dem Rechnung tragend haben psychoonkologische Maßnahmen ihren festen Platz in der Krebsbehandlung und Krebsnachsorge, insbesondere Entspannung, Meditation und Visualisierung;   Kreativ-, Kunst- und Gestalttherapie sowie körperliches Wahrnehmungstraining.

Renan Demirkan kann dies aus eigener Erfahrung bestätigen: „Insbesondere nach meiner eigenen Reha und dann später, nach den dreimonatigen Schreibwerkstätten, die ich in der Rehaklinik in Wyk auf Föhr, machen durfte, weiß ich, dass fast alle Frauen solch einen Rückzugsort suchen und brauchen.“

Viele Betroffene könnten sich aus finanziellen und/oder familiären Gründen eine solche Auszeit jedoch nicht leisten. Daher möchte „Zeit der Maulbeeren“ das Haus pro Jahr 18 Frauen – und ihren Kindern - für jeweils drei Wochen kostenlos zur Verfügung stellen.

 

Einzelförderung
auf Antrag der Krebsgesellschaft NRW (Familiensprechstunde)

„Familie M. ist aus Syrien geflüchtet und hat keine finanziellen Reserven. Frau M. ist palliativ an Brustkrebs erkrankt. Durch die Therapien, insbesondere durch die intensive Kopfbestrahlung, hat sie viele Zähne im Ober- und Unterkiefer verloren. Die Konsequenzen daraus sind sehr belastend für sie, d. h. sie kann sich schlecht artikulieren und fühlt sich dadurch sehr unsicher mit der Folge, dass sie sich mehr und mehr zurückzieht.

Geplant ist eine zahnärztliche Behandlung, deren Kosten sich auf Euro 614,95 belaufen, wovon die Krankenkasse einen Anteil von Euro 379,62 übernehmen würde. Den verbleibenden Anteil von Euro 235,33 kann die Familie leider nicht aus eigenen Mitteln finanzieren.  Zur Familie gehören auch die 20-jährige Tochter und der 15-jährige Sohn. Er würde gerne, um Kontakte zu knüpfen, in einem Sportverein Basketball spielen. Aber auch hier fehlen die Mittel für eine Sportausrüstung, insbesondere Sportschuhe wären wichtig.“

Die Jolly Beuth Stiftung „Hilfe für krebskranke Eltern und deren Kinder“ hat die syrische Familie sowohl bei der Finanzierung der Zahnarztbehandlung sowie beim Kauf von Sportschuhen unterstützt.

 

 

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